Was kommt vor der eigenen Website?
Viele starten mit einem großen Wunsch in die Selbstständigkeit: „Ich brauche als Allererstes eine Website!” Ja, eine Website ist wichtig. Idealerweise ist sie jedoch das nach außen sichtbare Ergebnis eines inneren Prozesses.
Bevor Sie nach außen zeigen, wer Sie sind und was Sie anbieten, sollten Sie das zuerst für sich selbst geklärt haben – am besten schriftlich. Genau das ist das Fundament, und dieses trägt Sie durch alles, was folgt.
So legen Sie den Grundstein für Ihre gesamte Selbstständigkeit.
Dieses Fundament entsteht nicht in einer halben Stunde, und das ist auch völlig in Ordnung. Klarheit braucht Zeit. Es lohnt sich, dabei zu bleiben und den Fragen Raum zu geben.
Was passiert, wenn das Fundament fehlt?
Das zeigt sich nicht sofort, aber irgendwann. Die Website ist zwar online, aber die Texte fühlen sich nicht richtig an. Das Angebot ist unklar oder es gibt vielleicht sogar zu viele Optionen. Kunden bleiben aus, oder sie melden sich, fragen nach und buchen trotzdem nicht. Und sie wissen nicht, warum …
Oft liegt es weder an der Website noch am Preis oder dem Standort. Es liegt an der fehlenden inneren Klarheit. Wer innerlich nicht klar ist, kann das auch nicht nach außen kommunizieren – weder im Gespräch noch auf der Website.
- Warum machen Sie das?
- Wer sind Sie?
- Für wen ist Ihre Arbeit gedacht?
- Was genau bieten Sie an?
Warum machen Sie das?
Das ist keine philosophische Frage, sondern die praktischste überhaupt. Viele, die sich selbstständig machen, zweifeln nicht nur daran, was sie anbieten sollen, sondern auch, ob sie das überhaupt dürfen, ob sie gut genug sind und ob jemand für ihre Arbeit bezahlen wird. Das ist menschlich und ändert sich, wenn die Klarheit wächst.
Wenn Sie Ihr Warum kennen, treffen Sie Entscheidungen leichter. Sie wissen, was zu Ihnen passt und was nicht. Sie kommen durch schwierige Phasen, ohne den Faden zu verlieren. Wenn Sie Ihr Warum nicht kennen, orientieren Sie sich an dem, was gerade naheliegt oder was andere machen. Irgendwann merken Sie dann, dass es sich nicht richtig anfühlt.
Übrigens muss Ihr Warum nicht für immer feststehen. Es ist eine Momentaufnahme. Mit zunehmender Erfahrung wird es sich klären, vertiefen und manchmal auch verschieben. Das ist ganz normal.
Wer sind Sie?
Bevor Sie beschreiben, was Sie anbieten und für wen, fangen Sie am besten bei sich selbst an. Denn bei allem, was Sie tun, sind Sie als Mensch immer mit dabei. Ihre Geschichte, Ihre Art zu arbeiten, das, was Ihnen leichtfällt und anderen nicht.
All das ist kein netter Zusatz, sondern oft entscheidend. Menschen buchen nicht nur ein Angebot, sondern auch die Person dahinter. Zwei Coaches können dasselbe Thema bearbeiten, zwei Therapeutinnen können denselben Ansatz verfolgen – und trotzdem ist die Arbeit mit ihnen völlig unterschiedlich. Weil jeder Mensch anders arbeitet, anders da ist und anders begleitet.
Wer Sie sind, kann den Unterschied machen. Und genau deshalb lohnt es sich, dies für sich selbst zu klären.
Für wen ist Ihre Arbeit gedacht?
Sie müssen das nicht von Anfang an perfekt wissen. Eine grobe Vorstellung reicht zunächst. Mit wem möchten Sie arbeiten? Wem könnte Ihre Arbeit wirklich weiterhelfen?
Wenn Sie wissen, für wen Ihre Arbeit gedacht ist, fällt Ihnen vieles leichter. Sie können klarer kommunizieren, Ihr Angebot gezielter entwickeln und die richtigen Menschen ansprechen. Wenn Sie es nicht wissen, sprechen Sie im Ungefähren – und erreichen oft niemanden richtig.
Fragen Sie sich: Wo standen Sie selbst vor ein paar Jahren? Welche Situation haben Sie durchlebt, die Sie heute besser verstehen als andere? Oft steckt da die Antwort. Und der Rest klärt sich später. Nach den ersten Kunden wissen Sie meist viel genauer, mit wem es gut funktioniert und mit wem nicht.
Was bieten Sie an?
Das klingt nach einer einfachen Frage, ist es aber oft nicht. Viele beschreiben ihr Angebot aus ihrer eigenen Perspektive: Was sie tun, welche Methoden sie anwenden und wie lange eine Sitzung dauert. Das ist nicht falsch, aber da fehlt noch etwas. Die entscheidende Frage ist eine andere: Was verändert sich für Ihre Kunden durch die Zusammenarbeit mit Ihnen? Erst wenn Sie diese Frage klar beantworten können, wird aus einer Leistung ein Angebot.
Noch ein Gedanke dazu: Viele möchten am liebsten gleich mit mehreren Angeboten in die Selbstständigkeit starten. Beispielsweise mit Körperarbeit, Einzelcoaching und Gruppenangeboten. Das ist nachvollziehbar, hilft aber selten weiter. Je mehr Angebote Sie haben, desto mehr müssen Sie kommunizieren und desto schwieriger wird es, die ersten Kunden zu gewinnen. Mit einem klaren Angebot kommen Sie leichter ins Tun.
Überlegen Sie deshalb, welches Angebot für Sie im Moment das Wichtigste ist. Womit möchten Sie anfangen? Wenn Sie erst einmal mit einem Angebot starten, lernen Sie schneller, was funktioniert und was nicht. Oft ergeben sich die weiteren Angebote dann ganz von allein. Kunden, die gute Erfahrungen mit Ihnen gemacht haben, fragen von selbst nach. Das ergibt sich häufig im Gespräch, ohne dass Sie das Angebot vorher irgendwo erwähnt haben.
Und was kostet es?
Zu einem Angebot gehört noch etwas: der Preis. Und dieser ist mehr als nur eine Zahl.
Sie sollten natürlich wissen, was Sie im Monat verdienen möchten und wie viele Kunden Sie dafür benötigen. Das ist der rationale Teil. Doch es gibt noch eine andere Frage: Mit welchem Preis würden Sie sich wohlfühlen? Hinter welchem Preis stehen Sie wirklich?
Das ist wichtig, denn wenn Sie selbst nicht hinter Ihrem Preis stehen, spüren das Ihre Kunden. Nicht immer bewusst, aber irgendetwas stimmt dann nicht.
Es ist ein gangbarer Weg, etwas niedriger zu starten und den Preis schrittweise anzuheben, wenn Erfahrung und Sicherheit wachsen. Sich jedoch dauerhaft unter Wert zu verkaufen, zehrt an der Motivation und der Freude an der Arbeit.
Wenn Sie die Fragen in diesem Bereich für sich beantwortet haben, ist Ihr Fundament gelegt. Durch Ihre Antworten werden Sie innerlich klarer und fühlen sich gestärkt. Sie legen damit die Grundlage für Ihre gesamte Kommunikation: beim Schreiben Ihrer Website-Texte, im Gespräch mit Interessenten und überall dort, wo Sie Ihr Angebot erklären.
Alle diese Fragen für sich zu beantworten, ist nicht leicht. Aber alles, was folgt, wird dann leichter – versprochen 😊